10 Jahre Sprache schafft Chancen

23. Oktober 2023

Was der Fachtag 2023 bewegt hat

Zehn Jahre Sprache schafft Chancen – das ist ein Grund zum Feiern, und genau so haben wir es am 24. Oktober 2023 gemacht. Unter diesem Motto kamen Engagierte, Fachkräfte und alle, die sich für Integration starkmachen, zu einem Fachtag zusammen. Wir haben zurückgeschaut, nach vorn gedacht und vor allem zusammen gearbeitet. Vier Workshops boten Raum für Austausch, neue Impulse und ganz konkrete Fragen aus dem Alltag. Beim Podiumsgespräch mit Staatssekretär Sandro Kirchner landeten die Anliegen der Engagierten direkt dort, wo Entscheidungen fallen.

Der Mehrwert von „10 Jahre Sprache schafft Chancen“

Was bringt ein Netzwerk wie die lagfa den Menschen vor Ort? Der Fachtag hat eine klare Antwort gegeben: Sprache ist der Schlüssel. Wer sich verständigen kann, findet leichter Zugang zu Behörden, Bildung und Arbeit, aber auch zu Nachbarschaft und Gemeinschaft. Wer Sprache vermittelt, öffnet damit Türen, und zwar für beide Seiten.

Davon profitieren drei Gruppen:

  • Engagierte finden hier Austausch, Fortbildung und Menschen, die vor ähnlichen Fragen stehen. Niemand muss die Herausforderungen allein stemmen.
  • Geflüchtete und Zugewanderte erhalten Wege zu verständlicher Information und zu Chancen, die Sprache erst möglich macht.
  • Gesellschaft und Politik gewinnen Einblick in die Praxis und erfahren, welche Unterstützung wirklich hilft.
  • ehn Jahre sind ein guter Anlass, dieses Netzwerk sichtbar zu machen: als Ort, an dem Wissen, Erfahrung und Engagement zusammenkommen.

Die Workshops waren das Herzstück des Fachtags

“Hauptamt braucht Ehrenamt. Und Ehrenamt braucht Hauptamt”

Workshop 1: Was Engagierte brauchen

Was brauchen Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren? Diese Frage stand im Mittelpunkt des Workshops mit Beatrix Hertle, Landesgeschäftsführerin der lagfa bayern e.V., und der Expertin für bürgerschaftliches Engagement Ursula Erb. Gemeinsam haben die Teilnehmenden offen gesammelt, was gut läuft und wo es noch hakt. Aus dieser Vielfalt kristallisierten sich zentrale Wünsche heraus: Mehr psychologische Begleitung von Ehrenamtlichen und gemeinsame Räume für Haupt- und Ehrenamt.

Workshop 2: Handlungsorientiert lehren und lernen

Elena Waggershauser zeigte, was handlungsorientierter Unterricht konkret bedeutet. Im Zentrum stehen die Lernenden: Sie sollen jede Unterrichtsphase aktiv mitgestalten, ihre individuellen Kompetenzen werden berücksichtigt und sie erhalten deutlich mehr Sprechzeit. Der Fokus liegt auf einem Endprodukt und dem Weg dorthin. Lernende erleben den Lernprozess ganzheitlich und eignen sich Wissen durch Ausprobieren an. Dadurch verändert sich auch die Rolle der Lehrenden: Sie werden zu Beratenden, die die Selbstständigkeit ihrer Lernenden fördern.

Lernbegeleitung statt nur Lehrkraft ist das zentrale didaktische Prinzip.

Workshop 3: Fair streiten

Konflikte sind unvermeidlich, wo Menschen zusammenarbeiten. Jens Tietböhl, Supervisor und Coach, betrachtete sie in seinem Workshop wie Knetmasse: Je früher man sie bearbeitet, desto besser lassen sie sich formen und als Chance zum Wachstum nutzen. Wird zu spät gehandelt, ist die Masse eingetrocknet. Dann ist die Lösung meist nur noch mit äußerer Hilfe möglich, weil Frust die Verständigung blockiert. Erschwerend wirken zudem gestörte Gruppendynamiken oder kulturell bedingte Missverständnisse. Entscheidend ist das gegenseitige Bemühen um Verständnis.

Workshop 4: Wie stärke ich mich selbst?

Elisabeth Benzing von der Kontakt- und Informationsstelle Selbsthilfegruppen Mittelfranken widmete sich der Resilienz, der inneren Widerstandsfähigkeit. Da jeder Mensch andere Methoden und Bedarfe hat, stellte sie sieben Säulen vor, die dabei helfen können:

  1. Optimismus: eine positive Grundeinstellung
  2. Akzeptanz: Herausforderungen annehmen
  3. Zukunftsorientierung: die eigene Vorstellung von Zukunft klären
  4. Lösungsorientierung: aktiv nach Lösungen suchen
  5. Selbstwirksamkeit: erleben, dass man selbst etwas bewirken kann
  6. Achtsamkeit: auf das eigene Wohlergehen achten
  7. Netzwerken: sich mit anderen austauschen und gegenseitig stärken

Podiumsgespräch: Antworten aus der Politik

Im Gespräch mit Staatssekretär Sandro Kirchner wurden die Ergebnisse der Workshops zugespitzt. Die schriftliche Antwort des Ministeriums verweist auf mehrere Ansatzpunkte:

  • Supervision: Integrationslotsinnen und -lotsen, die vom Freistaat gefördert werden, können Ehrenamtliche im Migrationsbereich supervisorisch begleiten. Zudem wurde geprüft, wie die Zusammenarbeit mit der lagfa verbessert und Synergien genutzt werden können.
  • Einfache Sprache: Als Hilfe für Verwaltungsmitarbeitende verweist das Ministerium auf die Broschüre „Freundlich, korrekt und klar – Bürgernahe Sprache in der Verwaltung“. Das Angebot an Texten in leichter Sprache soll kontinuierlich ausgebaut werden.
  • Ehrlicher Blick auf die Grenzen: Bei komplizierter Sach- und Rechtslage, etwa in den Ausländerbehörden, sind verständliche Formulierungen besonders aufwendig. Das Ministerium bittet dafür um Verständnis.
Reger Austausch über die Unterstützung von Ehrenamtlichen mit Staatssekretär Sandro Kirchner.

Ein Blick zurück und nach vorn

Zehn Jahre Sprache schafft Chancen sind ein Anlass, auf das Erreichte zu schauen – und darauf, dass dieser Erfolg von vielen Menschen getragen wird: von denen, die sich engagieren, von denen, die lernen, und von denen, die Brücken bauen.

Der Fachtag hat aber auch gezeigt, wo wir gemeinsam weitermachen müssen: mit Räumen, in denen Engagierte und Hauptamtliche auf Augenhöhe zusammenkommen, mit verständlicher Sprache in Behörden, mit Unterstützung für die Helfenden und mit Lernformen, die Menschen ernst nehmen. Die Themen von 2023 sind nach wie vor aktuell. Genau daran knüpfen wir an.

Denn eines bleibt: Sprache schafft Chancen. Und dafür lohnt sich jeder Schritt.

Über das Projekt

Sprache schafft Chancen

Das Projekt fördert und unterstützt ehrenamtliche Deutschkursleitende sowie Projekte von Freiwilligenagenturen und gemeinnützigen Organisationen, die Menschen mit Flucht- oder Migrationshintergrund die deutsche Sprache beibringen.

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