G’radscht und g’richt

„Gradscht & gricht“ – Die Lernwerkstatt

In der heutigen Zeit werden Unmengen weggeworfen. Auch Gegenstände, an denen nicht viel kaputt ist und die nach einer einfachen Reparatur problemlos wieder verwendet werden könnten. Oft ist es auch so, dass die Reparatur teurer ist als eine Neuanschaffung. Auch ist das Reparieren bei den meisten Menschen aus der Mode gekommen. Sie wissen einfach nicht mehr, wie man Dinge repariert. Dieses Wissen verschwindet schnell. Ein Reparatur Café ändert das! Es findet ein wertvoller, praktischer Wissensaustausch statt.

Da der Begriff „Repair oder Reparatur Café“ wenig Bezug zu unserer Region hat, haben wir uns für den einheimischen Untertitel „gradscht & gricht“ entschieden. Diese Bezeichnung gibt nach unserer Ansicht den eigentlichen Sinn des Projektes wider:

Zusammen kommen – sich austauschen – und nebenbei etwas lernen!

Reparatur Cafés sind also Treffen, bei denen die Teilnehmer alleine oder gemeinsam mit anderen ihre kaputten Dinge reparieren. Werkzeug und Material für alle möglichen Reparaturen sind vorhanden. Zum Beispiel für Möbel, elektrische Geräte, Fahrräder, Spielzeug und vieles mehr. Eben alles was man alleine tragen kann und alles was auf einen Tisch passt. Vor Ort sind auch ehrenamtliche Reparaturexperten zugegen: Elektriker, Schreiner, Fahrradmechaniker….

Im Mittelpunkt steht jedoch, dass das Reparatur Café zeigen möchte, dass Reparieren auch viel Spaß macht und oft relativ einfach ist. Oberste Devise ist, dass die Besucher zum Selbstreparieren angeleitet werden und so ein Wissenstransfer stattfindet. Dabei kommen auch die verschiedensten Altersgruppen zusammen und es kommt zu einem generationsübergreifenden Austausch und Miteinander. Damit aber der Wissensaustausch nicht nur einseitig von alt zu jung stattfindet, möchten wir in diesem Zusammenhang einen Handy-/Tablet-Dienst anbieten, in dem fitte Jugendliche den Älteren zeigen, wie das eigene Mobiltelefon funktioniert.

Bei dem Konzept drängt sich zwangsläufig die Frage auf, ob die kostenlosen Reparaturtreffen eine Konkurrenz für Reparatur-Profis sind. Doch die bisherige Erfahrung zeigt, dass der Einzelhandel meist gar kein Interesse hat, defekte Gegenstände zu reparieren. Alleine die Begutachtung, ob sich eine Reparatur noch lohnt, übersteigen nicht selten die Neuanschaffungskosten. Mit dem Reparatur Café soll vielmehr das Interesse am Reparieren wieder geweckt werden. Besucher werden in besonderen Fällen auch an die Profis weiter verwiesen.

Außerdem sind die Besucher von Reparatur Cafés in den meisten Fällen keine Kunden von Reparaturfachleuten. Die Besucher erzählen, dass sie kaputte Gegenstände meistens sofort wegwerfen, da sie die Reparatur in der Regel zu teuer finden. Im Reparatur Café sehen sie, dass es zum Wegwerfen tatsächlich Alternativen gibt und so Müll vermieden werden kann. Es ist also auch ein Mittel gegen die weitverbreitete „Wegwerf-Mentalität“. Das Projekt soll dazu führen, das die unterschiedlichen Generationen voneinander lernen.

Impressionen

Max Herrnberger (Werkstatt-Koordinator): „Als begeisteter Radfahrer, der auch in Gruppen unterwegs ist, erlebe ich immer wieder, dass die wenigsten sich bei einer Panne selbst helfen können. Dazu kann ich mich im Reparatur Café „gradscht & gricht“ einbringen. Ziel dabei ist auch den Besuchern die Scheu vor der Technik zu nehmen. Wie kann ich einen Platten unterwegs beheben, Schlauch flicken oder ersetzen, Schaltung nachjustieren, gerissene Kette wieder montieren und vieles mehr? Diese Dinge mal unter Anleitung selbst zu erledigen mindert den Frust bei der nächsten Panne.“

 

Herwig Pohl (Werkstatt-Koordinator): „Zunächst war ich sehr skeptisch, als ich von der Idee hörte. Doch gleich nach dem ersten Standortbesuch bei einem auswärtigen Reparatur Café“ habe ich regelrecht Feuer gefangen.“

 

Georg Braun (Kreishandwerksmeister): „Den Menschen wird mit dem Reparatur Café schließlich wieder vor Augen geführt, dass sich defekte Dinge wieder reparieren lassen und nicht und nicht unbedingt auf dem Müll landen müssen. Ich erwarte mir dadurch auch einen Werbeeffekt für das Handwerk.“

 

Franz Löffler (Landrat): „ Wenn wir mit dem Reparatur Café ein Zeichen gegen die Wegwerf-Mentalität setzen, dann haben wir schon viel erreicht. Hinzu kommt, dass die regionale Wirtschaft am Ende sogar davon profitieren wird, weil die Ersatzteile im Handel und nicht im Internet erworben werden.“

 

Siegfried Zistler (Berufsschulleiter): Ich erhoffe mir einen Synergieeffekt zwischen den Ehrenamtlichen, den Bürgern und Azubis, unter denen auch einige mit Migrationshintergrund sind. Wir denken daran, das Café mit unserem Unterricht zu verbinden. Ebenso ist eine Übertragung von Reparaturanleitungen ins Netz angedacht.“

 

Martina Pfeilschifter (freiwillige Helferin): „Ich finde den Untertitel ‚gradscht & gricht‘ genial. Ich freue mich wenn viel geratscht und gerichtet wird.“